Das Münchner Filmfest ehrt den Filmemacher Alejandro Jodorowsky.
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Nachdem er
1970 mit „El Topo“ und 1973 mit „Montaña Sacra“ zwei
orgiastisch-surreale Meisterwerke geschaffen hatte, vermochte er erst
1989 mit „Santa Sangre“ an dieses Niveau anknüpfen. Sein fast mythischer
Ruf als gescheitertes Kino-Genie wurde in der Zwischenzeit vor allem
durch zahlreiche Comics, unter anderen von Moebius, Arno, Georges Bess
oder Fred Beltran, flankiert, für die er als Autor verantwortlich war.
Daneben wurde er im französisch- und spanischsprachigen Raum als
Romanautor, Lyriker und Dramatiker bekannt.
In München freute man sich mit Jodorowsky über dessen kinematografische
Rehabilitierung. Denn im Widerspruch zu allen Regeln des Metiers scheint
sich für den betagten Künstler nun doch noch ein Fenster für ein
filmisches Comeback zu öffnen. Nicht nur dass Winding Refn demnächst
gemeinsam mit Jodorowsky einen Science-Fiction nach dessen Comic-Zyklus
„Incal“ drehen will. Der Niederländer Jan Kounen („Dobermann“) hat sich
ebenfalls angemeldet: Er möchte das von Moebius gezeichnete Storyboard
zur 1976 abgebrochenen Mega-Verfilmung von Frank Herberts Roman „Dune“
in einen abendfüllenden Animationsfilm transformieren.
Ein grandioses Debakel
„Dune“ wurde einst zum Waterloo von Jodorowsky. Die Geschichte
dieses grandiosen Debakels hat der Filmemacher Frank Pavich in
„Jodorowsky’s Dune“ rekonstruiert, einem Film, der ebenfalls in München
zu sehen war. Eine illustre Nummernrevue zeigt die Namen von
Prominenten, die damals am Film mitwirken sollten.
Salvador Dalí, Amanda Lear, Orson
Welles und Mick Jagger waren als Darsteller verpflichtet, Pink Floyd und
Magma lieferten den Soundtrack, Dan O’Bannon, HR Giger und Moebius
hatten für den Look zu sorgen. Jodorowskys „Dune“ sollte zwölf Stunden
dauern.
Nachdem
schon mehrere Millionen Dollar in die Vorbereitungen der Dreharbeiten
geflossen waren, wurde das Projekt zunächst auf Eis gelegt, später an
David Lynch übergeben. (Ironie: „Dune“ wurde dessen schlechtester Film.)
Ob die
solcherart größenwahnsinnig geplante Adaption des Sci-Fi-Klassikers
tatsächlich die Entwicklung des utopischen Genres in andere Bahnen hätte
lenken können, muss Spekulation bleiben.
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